Teutoburger Wald

Manchmal sind doch die Reisen am tollsten, bei denen man vorher nicht so ganz genau weiß, was einen erwarten wird.

Ganz genauso ging es uns bei unserer Reise in den Teutoburger Wald. Wir verbanden damit wütende Rentner, die mit Nordic-Walking-Stöcken fuchtelnd den Wald kreuzten, mit verrückten jungen Mountainbikern, die alle steileren Abfahrten unsicher machten oder mit jungen Familien, die einen entspannten Ausflug durch den Wald vor sich hatten. Aber nicht mit Barrierefreiheit und anderen Annehmlichkeiten, die für Rollstuhlfahrer manchmal essentiell sind.

Stattdessen erlebten wir den Teutoburger Wald und seine Umgebung von einer ganz anderen Seite, als wir es erwartet hatten.
Unser Hotel, das Légère Hotel in Bielefeld, ließ in Punkto Barrierefreiheit keine Wünsche offen und als Vielreisende sind wir es gewöhnt, dass eigentlich jedes barrierefreie Zimmer noch einige Mängel aufzuweisen hat. So konnten wir perfekt erholt in den Tag starten und direkt die Sparrenburg erklimmen. Der Anstieg zur Burg ist so steil, dass es empfehlenswert ist, mit dem Auto hochzufahren und dort auf einem der beiden Behindertenparkplätze zu parken. Danach erwartet einen leider jede Menge Kopfsteinpflaster, das zunächst bewältigt werden muss. Damit das keine unangenehme Überraschung wird, lohnt es sich, vorher einen Blick auf “Reisen für alle” zu werfen, wo auf die Begebenheiten vor Ort hingewiesen wird. Die tolle Aussicht danach entschädigt jedoch für alle Anstrengung!


Für alle, die es lieber noch entspannter möchten, denen würden wir Bad Salzuflen empfehlen. Ich bin ehrlich: könnte ich da meine nächste Reha machen, ich würde sie freiwillig beantragen! Der dortige Kurpark ist einzigartig schön angelegt und wird noch immer renoviert. Überall laden Sitzmöglichkeiten zu kleinen Pausen ein, um bei den vielfältigen Wanderwegen im Kurpark genug Kraft tanken zu können. Die Wege führen an kleinen Seen vorbei, auf denen man Tretboot fahren kann, bis hin zur Voliere und einem Tierpark am anderen Ende des Parks. Dorthin führt ebenfalls ein extra barrierefrei eingerichteter Wanderweg – für den man jedoch auch fit genug sein muss. Denn es wird zwar mit Barrierefreiheit geworben, der Weg besteht jedoch überwiegend aus Kies, auf dem es sich bekanntlich mit kleinen Rollstuhlrädchen schlecht fahren lässt.


Fußgänger werden eingeladen den neu angelegten Barfußpfad zu testen und danach im Kneipp-Becken beim Wassertreten die Füße und Beine zu entspannen. Und wer es noch ruhiger mag, der macht entweder einen Spaziergang durch das Gradierwerk und genießt die salzhaltige Luft oder schnappt sich einen der vielen Strandkörbe (es gibt sogar einen barrierefreien) und genießt „Il dolce fa niente“ (das süße Nichtstun).

Denn spätestens am Tag darauf solltet Ihr den inklusiven Klettergarten „Grenzenlos“ besuchen. Dort kann einfach jeder und jede klettern, egal ob mit Behinderung oder ohne – das Erlebnis und die Gemeinschaft zählen.
Ich muss zugeben, dass ich vorher lange mit mir gehadert hatte. Früher bin ich viel und oft in Klettergärten gewesen. Je höher, je schneller, desto besser. Heute hatte ich meine Zweifel, ob das im Rollstuhl ähnlich spannend und aufregend werden könnte. Aber vollkommen umsonst. Ja natürlich klettert man immer als Team (meistens zu zweit) und dadurch bin ich langsamer als früher, aber ich war überrascht, was ich dort alles ausprobieren konnte. Und eins sei vorweg verraten: der Nervenkitzel ist im Rollstuhl nochmal um einiges höher.

Plötzlich kippte ein Rad in Richtung Abgrund, mein Oberkörper fiel nach vorne und ich musste ganz schön kämpfen, um mich aufrecht zu halten. Natürlich waren sowohl ich als auch extra nochmal mein Stuhl gesichert, aber das Gefühl in diesem Moment sagt etwas vollkommen anderes. Das Beste ist natürlich, dass ich in meinem eigenen Rollstuhl sitzenbleiben konnte, was mir ein größeres Gefühl der Sicherheit und Selbstständigkeit vermittelt hat. Aber auch für Menschen, die sonst einen E-Rolli benutzen, haben sie natürlich Alternativen da.


Das Schönste dabei war, mit Lukas zusammen klettern zu dürfen und dort oben in den Bäumen andere Menschen zu treffen, die eben mal nicht im Rollstuhl sitzen. In den Bäumen spielte es gar keine so große Rolle mehr, dass ich nicht laufen kann.
Wem der Adrenalinkick dort oben auf 5m Höhe noch nicht gereicht hat, dem können wir wärmstens die Seilbahn nach unten empfehlen. Denn da kann man nur strahlend ankommen.

Bei unseren 3 Tagen im Teutoburger Wald war von allem etwas dabei: von Sightseeing und Kultur an der Sparrenburg über Entspannung im Kurpark und abschließend mächtig Aktion im Kletterwald und wir halten fest: Dieses Ziel ist definitiv eine Reise wert und wir würden uns diese Gegend auf jeden Fall noch ein zweites Mal ansehen.

Mehr Informationen über das barrierefreie Reisen in den Teutoburger Wald und alle Aktivitäten findet Ihr unter:
http://bit.ly/2WtbNNm

1 Kommentar

  • Liebe Anouk,

    ich darf diese wunderbare Gegend meine Heimat nennen und da freue ich mich natürlich über deinen Bericht.
    Ich selbst bin als Lehrerin für Sonderpädagogik aktiv und im letzten Jahr habe ich endlich mich im Rolli als eigentlich “Laufende” in den Kletterpark an einzelne Stationen gewagt – eine enorme Herausforderung. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte und konnte.
    LG