“Wer rastet, der rostet” – oder so ähnlich

Das neue Jahr hat begonnen und damit bei gefühlten 99% der Bevölkerung der Kampf mit den selbstgesetzten Vorsätzen fürs neue Jahr. Neues Jahr, neues Glück, oder wie? Ich verstehe ehrlich gesagt selbst nicht, warum es immer Silvester braucht, um sich neue Vorsätze machen zu müssen und warum man den eigenen Schweinehund nicht einfach mitten im Jahr drangsalieren kann. Jeder muss plötzlich abnehmen, sich gesünder ernähren, mehr Sport machen oder alternativ und ziemlich hip, mehr Zeit mit lieben Menschen verbringen. Wären wir nicht viel effektiver, wenn wir, anstatt diese Zeit zum Planen neuer Vorsätze zu verwenden, nicht einfach gleich diese in die Tat umsetzen würden?
Ich habe mir noch nie Vorsätze für ein neues, kommendes Jahr gemacht – bis jetzt! Noch nie hatte ich ein Vorhaben, dass ich bis nach Weihnachten schieben musste, um immer mehr schlechtes Gewissen angespart zu haben. Wenn ich etwas ändern wollte, dann war es mir egal, was für ein Jahr und Monat gerade ist. Außer dieses Jahr, da kam irgendwie alles anders.


Seit drei Jahren sitze ich nun im Rollstuhl und immer öfter muss ich dabei an den Spruch denken „Wer rastet, der rostet“. Wer viel sitzt, oft in der gleichen Haltung, ohne den nötigen Ausgleich beispielsweise in der Physiotherapie zu bekommen, der neigt eher zur Bildung von Kontrakturen (Funktions- und Bewegungseinschränkung von Gelenken). Aber eigentlich brauchte es erst noch den Anstoß durch meine Physiotherapeutin, dass ich feststellte, etwas tun zu müssen. Beim Durchbewegen auf der Liege merkte sie nicht selten an, dass ich früher mal beweglicher war. Früher, als ich noch mehrmals die Woche im Physiostudio war und dort auch noch an den Geräten trainierte. Jetzt habe ich, bedingt durch mein Studium, weniger Zeit und prompt „roste“ ich. Ja, ich mache Sport. Blöd nur, dass das Laufen mit dem ReWalk dafür zu unregelmäßig ist und Rollstuhlbasketball eben auch im Sitzen gespielt wird.

Wann also ergab sich ein besserer Zeitpunkt, um mehr für mich zu tun, als jetzt zum neuen Jahr? Mein schlechtes Gewissen war mittlerweile unglaublich groß. Die Supermärkte quellen über vor Neujahrs-Sport-Angeboten und ich griff zu. Eine praktische Isomatte, damit ich keine Ausreden mehr habe, zuhause keine Übungen machen zu können (Das Bett zu weich, das Sofa zu klein, der Boden zu hart…). Nun, was soll ich sagen? Vor knapp einer Woche ist die Isomatte bei mir eingezogen (ich habe mir extra eine in blau gekauft, damit sich die Aversion dagegen in Grenzen hält) und bisher habe ich ihr noch keinen Namen geben können – so nah sind wir uns noch nicht. Aber: bisher mache ich brav jeden Tag meine Übungen. Ok, bleiben wir realistisch. Es wird sicherlich nicht bei tagtäglich bleiben, aber das ist auch gar nicht mein Ziel. Ich möchte meine Neujahrvorsätze ja erfolgreich umsetzen und gut in Erinnerung behalten, um daraus einen Lerneffekt zu gestalten. Also setze ich mir ein kleines Ziel: zwei Mal die Woche müssen der Isomatte und mir reichen. Mal schauen, wie sich unsere Beziehung entwickelt. Bisher ist sie sehr einseitig – aber ich bin gespannt.

Wie sieht es bei Euch aus? Macht Ihr Euch Vorsätze für das neue Jahr und haltet Ihr sie dann auch durch?

1 Kommentar

  • Immer wieder schön, von Dir zu lesen!
    Ja, ich habe einen guten Vorsatz: dieser ist, dass ich keine guten Vorsätze habe. Das hat bis jetzt jedes Jahr prima geklappt. Ich denke nämlich wie Du, dass ich dann etwas ändern muss, wenn es nötig ist – und nicht, weil Silvester ist.

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich zu Deinem Geburtstag. Ich hoffe, dass der ReWalk Dich in diesem Jahr wieder oft begleiten kann – und natürlich, dass Du alles gut schaffst, was Du so tun möchtest.