The Surge LT Greifreifen – Erste Erfahrungen

Stimmt, eigentlich ist Weihnachten noch knappe 3 Wochen hin, aber ich habe schon jetzt ein kleines vorgezogenes Weihnachtsgeschenk erhalten. Wieso schon jetzt? Von wem? Und vor allem was?

Nun, ich will euch nicht länger auf die Folter spannen: Es sind neue Greifreifen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern The Surge LT!

Dass ich ein paar Problemchen mit meinen Händen habe, erwähnte ich ja schon das ein- oder andere Mal. Daher war ich auch schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach guten Greifreifen. Immer mal wieder habe ich das Thema ein wenig vor mir hergeschoben, bis ich auf der RehaCare eine gute Gelegenheit fand, mich erneut mit der Thematik Greifreifen auseinanderzusetzen. Wo, wenn nicht dort, hat man eine größere Möglichkeit, sich nicht nur zu informieren, sondern direkt vor Ort die Greifreifen auf ihre Haptik zu testen und sich damit von ihrer Griffigkeit zu überzeugen? Gesagt, getan. Vorab hatte ich mich schon im Internet informiert, um es dort etwas einfacher zu haben und direkt verschiedene Hersteller testen zu können. Da ich definitiv keine Tetra-Greifreifen haben wollte, weil es sich bergab mit einem Silikonüberzug einfach nicht gut fahren lässt und es mir auch im Sommer einfach zu heiß wird, blieben zwei Hersteller in der engeren Auswahl. Unser erster Besuch, Lukas soll ja mitentscheiden, ging zu Carbolife. Die mit ihren ergonomisch geformten Greifreifen, mit integrierter Gummilippe in verschiedenen Gummistärken, wirklich coole Greifreifen bauen. Natürlich durfte ich diese auch Probe fahren, aber leider hat es mir ein wenig an guter Beratung vor Ort gefehlt. Viele meiner Fragen konnten nicht beantwortet werden, sodass wir ein wenig enttäuscht weiterziehen mussten.

Aber wir hatten ja noch eine weitere Firma auf unserer Liste: Out-Front, die The Surge LT produziert. Da diese Greifreifen aber von ganz vielen verschiedenen Rollstuhlherstellen angeboten werden, vereinfachte das unsere Suche enorm. Und weil wir bei Wolturnus so wunderbar kompetent beraten wurden, testeten wir die Greifreifen gleich dort. Im Endeffekt sind sie denen von Carbolife recht ähnlich. Ergonomisch geformt und mit integrierter Gummilippe. Zunächst war ich mir recht unsicher, ob ich damit wirklich gut fahren kann, aber die Probefahrt zeigte, dass es wunderbar funktioniert.

Durch die Gummilippe, die nur oben auf dem Greifreifen eingelassen ist, kann ich mit minimalem Kraftaufwand meinen Rollstuhl anschieben. Dadurch, dass jedoch unten kein Gummi mehr ist, kann ich auch bremsen, ohne dass meine Finger heiß werden, oder ich ruckartig zum Stehen komme. Durch ihre ergonomische Form liegen sie wunderbar in der Hand und sehen wirklich sportlich aus. Somit war eine Entscheidung schon mal getroffen. Jetzt stand nur noch das große Problem der Beantragung aus.

Normalerweise bin ich es gewöhnt, dass alles was ich bei der Krankenkasse beantrage erst einmal abgelehnt wird. Da ist fast schon ein kleines Spielchen draus geworden. Ich frage bei der Kasse: „Dürfte ich, bitte, bitte?“, die Kasse sagt: „NÖ!“ Im Endeffekt ist das ein Test. Würde die Krankenkasse alles bezahlen, was sich jeder mal so in den Kopf setzt, sähe es in den Kassen nicht so gut aus. Also liegt es jetzt an mir. Da ich aber nichts beantrage, was ich nicht wirklich brauche, geht der nächste Weg eben zum VdK. Da bin ich quasi schon Stammgast und zusammen mit einem Widerspruch des VdKs geht eigentlich fast alles. Dieses Mal jedoch, war ich vollkommen perplex.

Ich habe mir von meinem Neurologen ein Rezept für die Greifreifen ausstellen lassen, reiche diese bei der Krankenkasse ein und keine zwei Wochen später bekomme ich ein Schreiben, in dem sie mir allen Ernstes verkünden, dass sie gerne die Kosten für meine Greifreifen übernehmen. Sowas habe ich noch nie erlebt. Ich weiß nicht genau was da los war. Vielleicht hatte ein Sachbearbeiter gute Laune, oder Mitleid, oder beides. Vielleicht war er auch schon in Weihnachtsstimmung und wollte mir eine Freude machen. Wie auch immer, das ist ihm oder ihr gelungen. Egal wie oft ich schon über die Krankenkasse gemeckert habe, weil eigentlich alles ein Kampf ist, heute muss ich sie definitiv mal lobend erwähnen.

Und so habe ich heute, 20 Tage vor Weihnachten schon mein erstes Weihnachtsgeschenk und erfreue mich an dem wunderbaren Fahrgefühl.

8 Kommentare

    • Hallo Michaela,
      ja, ich bin noch immer vollkommen zufrieden und kann mit geringem Kraftaufwand weite Strecken zurücklegen. Auch mit Handschuhen lassen sie sich ,jetzt im Winter, gut fahren. Ich würde sie definitv weiterempfehlen. Außerdem hat die Kostenübernahme durch die Krankenkasse so unkompliziert geklappt.
      Viele Grüße & einen schönen 4. Advent!

  • Danke für den interessanten Bericht. Wie sind die Greifreifen bei dir angebracht, im ersten oder im zweiten Loch, also mit engem oder eher weiterem Abstand?

  • Ich habe die The Surge Greifreifen seit 2,5 Jahren an meinem Küschall K4. Meine Hände sind gesund, aber The Surge schien mir ein guter Kompromiss zwischen Griffigkeit eines beschichteten Reifens und der Haltbarkeit von Edelstahl. Wenn man mit dem The Surge mal aneckt, trifft es meist das Metall außen und nicht den Greif-Gummi. Das hat sich auch bewährt. Ich kann sogar (wenn etwa die Handfläche fettig ist) mit den Handaußenkanten (langsam) fahren.
    Leider hat der Surge andere böse Nachteile. Als erstes die schwarzen Hände. Dies wurde auch schon im Nachfolgebericht des Artikels oben berichtet. Ich könnte dem noch einige dramatischere Bilder schwarzer Hände hinzufügen. Ich habe mich auch schon an meinen Rollstuhl-Toni gewandt und der hat beim Hersteller nachgefragt. Aber dort ist nichts von Abfärben bei Feuchtigkeit bekannt. Die sagten nur, dass vielleicht der “Dreck unter Umständen vom Gummi etwas mehr angezogen wird”. Aber da ich die schwarzen Hände auch manchmal im Schwimmbad habe, passt das nicht. Leider kann ich den Schwarze-Hände-Effekt nicht schnell nachvollziehbar demonstrieren. Es hat was mit Feuchtigkeit über längere Zeit (mehr als paar Minuten) zu tun. Naja, ich habe mich etwas daran gewöhnt. Als Rollstuhlfahrer hat man ja draußen eh oft schmutzige Hände und außer Schwimmbad ist es drin meist trocken.
    Aber zusätzlich löst sich die Gummibeschichtung seit ca. 3 Monaten von der Griffreifen-Felge. Auslöser war wohl eine Wurzel auf einem Waldweg, die blöd zwischen Gummi und Felge stach und den Ablöseprozess einleitete. Mein Rollstuhl-Toni hat es auch vor 2 Monaten geklebt und es schaute erstmal gut aus. Aber paar Wochen später löste es sich wieder ab. Da werde ich wohl mal selbst mit der Klebepistole ran. Ich fürchte, wenn der Gummi einmal abgelöst ist, ist er dort “ausgeleiert” und sitzt nie wieder so fest wie zu Beginn.

    Also unterm Strich funktioniert das Konzept der besseren Griffigkeit. Aber im Vergleich zu den bewährten Griffreifen aus Edelstahl oder den typischen schwarzem Plastik-Beschichtungen gibt es überraschende schwere Nachteile.

    • Das Problem habe ich auch. Erst war alles schön, nur gelegentlich hatte ich am Handballen schwarze Stellen, die villeicht mit den Aussagen des Herstellers konform gehen könnten, aber seit kurzem habe ich richtig schwarze Hände, besonders bei Feuchtigkeit. Die Greifreifen sind ein Jahr alt und der Hersteller will von nichts wissen 🙁 Schade, zumal man wohl nicht einfach das Gummi tauschen kann…

      • Da kann ich mich einreien. Meine Flossen sind auch permant schwarz. Das ist echt alles andere als schön… Ansonsten sind die Dinger top…